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Linden-Museums, Württembergischer Kunstverein, Kunstgebäude am Schloßplatz, Stuttgart
Ausstellung "Tausendundeine Nacht" mit dem Islam zu vermengen. Dazu ist sie zu streng auf völkerkundliche Verständigungspolitik hin angelegt. Dadurch fehlt ihr eine poetische Dimension - so wie den Blumen der schönsten Fliesen und Stoffe der Duft fehlt. Doch jede Blume hat ihr Symbol-Par-fum: Der Jasmin gehört den Königen, die Rose der Liebsten, die Narzisse der Jugend, der blaue Lotus der Macht -zumindest in Persien. Aber gerade Symbole sind rar im Islam. So daß eine Ausstellung, die sich mit dem (Symbol) Garten auseinandersetzen will, es von vornherein besonders schwer haben muß.
Die Diskussion um ein "Bilderverbot" ist unter muslimischen Theologen nicht abgeschlossen. Das hat dazu geführt, daß die Abbildung "lebender Wesen", wie sie vor allem in der Miniaturmalerei praktiziert wird, in der islamischen Kunst eher eine Marginalie ist. Es entwickelte sich ein vielseitiges Ornamentsystem, wobei geometrische und florale Muster am gängi-sten sind. Das Aufbringen des Dekors auf die Fläche folgt bestimmten Strukturen, egal, ob es sich um eine Palastwand,einen Buchdeckel oder eine Kameltasche handelt: Die Fläche wird begrenzt und gleichzeitig rhythmisiert. Das häufigste und früheste Dekorelement in der islamischen Kunst ist die arabische Schrift, denn durch sie wurde die Offenbarung des Korans verbreitet. Neben der reinen Kalligraphie entwickelte sich die Schrift als schmückendes Motiv in Architektur und Kleinkunst.
Auf all diese kulturhistorischen Entwicklungen kann die Stuttgarter Ausstellung hinlenken, vor allem auch auf die des späten Islam: Nach der Zertrümmerung des Kalifats entstanden ab dem 14. Jahrhundert drei große islamische Reiche: das türkisch-os-manische Reich (1300-1923), der iranische Nationalstaat der Safawiden (1502-1736) und seine Folgedynastien und das Reich der Mogulkaiser in Indien (1526-1857). Deren Kunst geriet ab etwa dem 16. Jahrhundet verstärkt unter europäischen Einfluß. Wir nähern uns der Aktualität, die wohl auch die Stuttgarter ins Blickfeld rücken wollen.
Allerdings ist das Bild, das wir uns heute vom Islam machen, vorwiegend bestimmt von Fanatisimus und grenzüberschreitendem Terror - Heilige Kriege (auch nach Bosnien schicken der Iran, Saudi-Arabien, die Türkei Waffen) und Fatwa (Todesurteil gegen Salman Rushdie); Kinder, die mit dem Koran in der Hand aufs Minenfeld zwischen Iran und Irak geschickt wurden, und Frauen, die mit Vitriol verstümmelt wurden, weil sie nicht Khomeinis strengen Geboten folgten. Muslime sind unsere Nachbarn - drei bis fünf Millionen in Frankreich, rund zwei Millionen in England, zweieinhalb Millionen (drei Prozent der Bevölkerung) in Deutschland.
Vor Pakistanern und Bosniern sind es hierzulande vor allem türkische Staatsbürger, 700 000 in Köln. Der Generationswechel von den ersten Einwanderern zu den jüngeren, die hier geboren sind und hier auch Koranschulen besucht haben, macht sich in einer "islamischen Identitätssuche" bemerkbar. Der Islam-Spezialist Udo Steinbach aus Hamburg beobachtet bei dieser zweiten Generation, daß "sie ihre Ursprünge wiederfinden" möchte - während die Mehrzahl der türkischen Gemeinschaften in Deutschland einem säkularisierten Islam treu blieben. Den wohl auch meinen Stuttgarts "Gärten des Islam". |
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